Thalys und der öffentliche Nahverkehr: „Wir sollten den Mut haben, eine gemeinsame europäische Kundenstrategie zu entwickeln.“

Thalys, der Motor Europas

Thalys feiert seinen 10. Geburtstag. In dem Gebiet zwischen Paris, Brüssel, Köln und Amsterdam – vier Städte, die Thalys miteinander verbindet – wurde vor 150 Jahren die erste internationale Bahnstrecke angelegt. Thalys, der Zug, der vier Länder dichter zusammenbringt und auch psychologische Grenzen aufhebt, ist zu einem Symbol für Europa geworden.
Sein Styling, seine Größe und seine Geschwindigkeit machen die Thalys-Züge zu einer revolutionären Innovation, was sich nicht nur auf die Technik bezieht. Vielmehr geben sichdie Menschen, die für Thalys arbeiten, alle Mühe, sämtlichen Wünschen ihrer Kunden gerecht zu werden. Der potentielle Kundenkreis macht 10 Prozent der europäischen Bevölkerung aus. Thalys bringt sie 2008 noch dichter zueinander, indem die Reisezeit zwischen Brüssel und Köln und zwischen Brüssel und Amsterdam abermals um eine Stunde verringert wird. Auch die Partnerschaftsabkommen mit mehreren öffentlichen Verkehrsbetrieben – es kommen ständig neue hinzu – bestätigen die europäische Pionierrolle von Thalys.

Thalysconnect

Das Projekt Thalysconnect, das 2005 aus der Taufe gehoben wurde, beruht auf zwei Feststellungen: Das Auto – das Haus-Haus-Transportmittel – wird im Bereich des Personentransports auch weiterhin einen Marktanteil von 45 Prozent haben und Thalys wird nach 2008 die Fahrzeiten zwischen den einzelnen Städten einige Jahre lang nicht weiter verkürzen können. Die einzige Möglichkeit, den Zug für eilige Reisende noch attraktiver zu machen, ist also die Verkürzung der Fahrzeit vom Bahnhof zur Endbestimmung – jene Strecke, die man in der Transportlogistik „last mile“ nennt und die oft die umständlichste der ganzen Reise ist.
Thalysconnect kann in Zusammenarbeit mit mehreren öffentlichen Verkehrsbetrieben bereits eine ganze Reihe von schnellen Verbindungen zwischen Zielbahnhof und Endbestimmung anbieten.

Information der Kunden über öffentliche Verkehrsmittel

Die Website Thalys.com bietet in Zusammenarbeit mit der französischen Verkehrsgesellschaft RATP einen viersprachigen Routenplanner für das Gebiet zwischen dem Gare du Nord in Paris und der Ile-de-France an. Das Angebot soll um zusätzliche Verkehrsbetriebe in den Städten, die von Thalys angefahren werden, und um zusätzliche Sprachen erweitert werden. Der Internet-Zugang an Bord mittels der Wi-Fi-Technik erlaubt es den Passagieren in Kürze sogar, diese Informationen während der Fahrt abzurufen.

Verkauf von Fahrscheinen für den öffentlichen Nahverkehr an Bord

Welchen Zweck hat es, die Reisezeit zwischen Paris und Brüssel um einige Minuten zu verkürzen (was im Dezember 2006 der Fall sein wird), wenn man diese Minuten anschließend wieder verliert, weil man vor einem Fahrkartenschalter anschieben muss? Kein Problem: Thalys verkauft in der Zug-Bar Fahrscheine für die öffentlichen Verkehrsmittel in Paris, Brüssel und Amsterdam! Dieser Service wird begeistert angenommen. Die Zahl der Menschen, die ihn beanspruchen, wächst doppelt so schnell wie die der Thalys-Reisenden. Thalys ist damit also einem reellen Bedürfnis entgegengekommen.

Integration des öffentlichen Nahverkehrs in den Thalys-Fahrschein

Das erfolgreichste Thalysconnect-Projekt ist die Zusammenarbeit mit dem Aachener Verkehrsverbund (AVV). Durch diese Partnerschaft können die Thalys-Fahrgäste bei Vorlage ihres Thalys-Fahrscheins gratis sämtliche öffentliche Verkehrsmittel des Großraums Aachen benutzen.

Ein anderes Beispiel ist das Abkommen mit der belgischen Eisenbahngesellschaft NMBS/SNCB. Reisende, die mit dem Thalys in Brüssel ankommen oder dort abfahren, können von Brüssel-Midi aus gratis andere belgische Bahnhöfe anfahren und vice versa.
Diese Art von Service soll ausgeweitet werden. Zurzeit laufen darüber Gespräche mit anderen Verkehrsbetrieben und Eisenbahngesellschaften.
Jedoch sind auch Probleme aufgetaucht. Sie beziehen sich auf die praktischen Möglichkeiten des „virtuellen“ Fahrscheins (Service Ticketless von Thalys) und der Zugangskontrolle mit der Contactless-Technik (Navigo für Paris).

Ticketless: Wie geht es weiter?

Der „virtuelle“ Thalys-Fahrschein Ticketless ersetzt den „realen“ Fahrschein durch eine Chip-Karte, die am Terminal von dem Fahrscheinkontrolleur gelesen wird. Dieses außergewöhnlich erfolgreiche System ermöglicht es den Fahrgästen, einen Fahrschein zukaufen, ohne sich zu einem Fahrkartenschalter begeben zu müssen. Thalys möchte diesen Service auf die Verkehrsbetriebe ausweiten, die mit Thalys zusammenarbeiten. Aber in vielen europäischen Regionen im Aktionsradius von Thalys fehlen noch gemeinsame Standards für den regionalen Personentransport. Zumindest mit der Brüsseler Nahverkehrsgesellschaft MIVB/STIB versucht man derzeit, bis 2007 eine Lösung zu finden. Diese Versuche werden von der Politik ausdrücklich unterstützt. Wenn es eines Tages dazu kommt, dass die flämischen und die wallonischen Verkehrsbetriebe, die mit Thalys zusammenarbeiten, die gleichen Standards akzeptieren und die Kontrollen an Terminals harmonisiert sind, dann wird das gesamte belgische öffentliche Verkehrsnetz (Zug, U-Bahn, Straßenbahn und Bus) mit dem Thalys-Fahrschein gratis zugänglich. Thalys setzt alles daran, diese Pläne zu verwirklichen.

Das Erfolgsgeheimnis: starke und motivierte Gesprächspartner

Innerhalb seines Einzugsbereichs kann Thalys ohne die Unterstützung von motivierten Partnern und den Institutionen der öffentlichen Hand keine neuen Angebote entwickeln. Denn die Thalys-Kunden machen nur einen kleinen Markt aus. Allerdings hat das Konzept, Reisenden das schnelle und kostenlose Umsteigen vom Zug auf den öffentlichen Nahverkehr zu ermöglichen, den Charakter eines Pilotprojekts. Das europäische Thalys-Netz fördert nämlich die Kommunikation und die Mobilität. Schon heute können wir dankbar feststellen, dass viele Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft uns ihre Unterstützung gewähren.
Dennoch ist Thalys weiterhin auf das Engagement von Managern aus dem Sektor des Personentransports angewiesen, die bereit sind, Projekte zu unterstützen, die mit ihrem jeweiligen Kerngeschäft nur indirekt etwas zu tun haben!

Schritt für Schritt

Natürlich können wir einfach abwarten, bis die europäische Harmonisierung und/oder neue Technologien eine neue Entwicklungsstufe erreicht haben. Aber Warten ist nichts für Thalys. Vielmehr haben wir bereits Gespräche mit motivierten Partnern aufgenommen. Das ermöglicht es uns, noch mehr Erfahrungen zu sammeln, die Ermutigung durch unsere Kunden positiv auszuwerten und erfolgreiche Projekte weiterzuentwickeln. Der nächste logische Schritt ist die Expansion.

Thalysconnect: eine realistische Utopie

Die ersten Schritte zum integrierten Personenverkehr und der Beifall unserer Kunden beweisen, dass der Gedanke des „Haus-Haus-Transports“ von Zugreisenden zwischen den großen Städten und den wichtigen Regionen Europas keine Utopie ist. So kann Thalys eine Pionierrolle spielen. Und das in einer Zeit, in der auch andere grenzüberschreitende Hochgeschwindigkeitszüge die europäischen Regionen immer dichter miteinander verknüpfen.